Birkenwerder (OHV)

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
Birkenwerder, Lkr. OHV, Grundstück während der Ausgrabungen





2 Allgemeines

Auf dem Grundstück Havelstraße 39 in Birkenwerder, Lkr. OHV wurde in den Monaten März bis Juni 2005 ein Einfamilienwohnhauses mit Tiefgarage und Vollkeller errichtet. In diesem Zusammenhang wurde auf dem relativ stark nach Süden abfallenden Grundstück eine Baugrube von ca. 150 m² Fläche bis in eine maximale Tiefe von ca. 3,50 m unter der Geländeoberkante abgetieft. Das Baufeld befand sich im Bereich der Bodendenkmale Birkenwerder Fundplatz Nr. 1. Bei dem Fundplatz Nr. 1 handelt es sich um eine Dorfwüstung mit Friedhof des deutschen Mittelalters sowie einen spätbronzezeitlichen Siedlungsplatz. Altfunde an der nahegelegenen Briesemündung belegen weiterhin die Besiedlung dieses Gebietes in der spätslawischen Zeit. Dabei soll es sich um eine Befestigungsanlage (Burgwall) auf einer Kuppe am Westende der Havelstraße gehandelt haben (Fpl. 3), die in den 1930er Jahren abgetragen wurde.

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3 Kenntnisstand

3.1 Historische Quellen

Die erste urkundliche Erwähnung Birkenwerders datiert in das Jahr 1355. Markgraf Ludwig der Römer versprach Johann von Buch Hilfe bei der Errichtung eines "borchfreeden tu Bergkenwerder". Der Markgraf übereignete dabei dem Hauptmann und Hofrichter Johann von Buch die Besitzung "Bergkenwerder". Aus der Urkunde geht hervor, daß das Dorf "Bergkenwerder" im Besitz des verstorbenen Ritters Ywan von Nybede war. Im Jahre 1369 starb Johann und hinterließ seiner Frau und dem Sohn die Dörfer Berkenwerder, Nyendorf (Hohen Neuendorf), Hermannsdorp (Hermsdorf) und Bockstorff (Borgsdorf). Im Landbuch von Kaiser Karl IV. wurde 1375 in "Berkenwerder" eine Mühle, einen Krug sowie mehrere Kossäten erwähnt. Um 1450 gehörte das Dorf der Familie von Bone, 1480 den Grafen Johann und Jacob von Lindow. Hier tauchte erstmals die Schreibweise Birkenwerder auf. Als Kirchdorf wurde es 1459 erwähnt . 1504 verkaufte Graf Joachim von Lindow-Ruppin das Rittergut an den ehemaligen Bürgermeister von Berlin, Jacob Wins. Im Jahre 1524 enteignete der Kurfürst Joachim I die rechtmäßigen Eigentümer Birkenwerders, die Brüder Wins. Erst nach deren Tod vier Jahre später, erhielten deren jüngere Brüder alle geraubten Güter zurück. Ein Gregor Wins war auch noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts Besitzer von Birkenwerder. Zwischen 1620 bis 1632 wechselten die Besitzer mehrfach. Der Geheime Kurfürstliche Kabinettsrat Lewin von Knesebeck kaufte 1632 das Gut Birkenwerder mit all seinen Besitzungen für 18.000 Taler. Nach seinem Tod im Jahre 1638 ging der Besitz an seine Brüder über, die ihn 1641 an Franz von Hacke veräußert. Birkenwerder blieb von den Kriegswirren des 30jährigen Krieges nicht verschont. Bei einer Bestandsaufnahme durch kurfürstliche Landreiter im Jahre 1649 wurde festgestellt, daß in Birkenwerder nur noch ein Kossätenhof bewohnt war. Der Gutshof und die Schäferei waren zerstört, beide Mühlen stark beschädigt und der Weinberg verwildert. Das Gut Birkenwerder war seit 1649 im Besitz der Hofmeisterin der Kurfürstin Luise Henriette, Frau Elisabeth Eleonore von Kleist. 1653 kaufte der Kurfürst das Gut Birkenwerder mit den dazugehörenden Dörfern Bergfelde, Hohen Neuendorf und Borgsdorf vom Kurfürst. Die Besitzungen wurden dem kurfürstlichen Amt Oranienburg, das seine Frau, Luise Henriette selbst verwaltete, unterstellt. Birkenwerder war jetzt eine kurfürstliche Domäne mit einen Gutsverwalter mit zwei Knechten und zwei Mägden. Neben dem Verwalter lebten noch vier Kossäten in Birkenwerder. Am 25. März 1666 wurde das Gut Birkenwerder unter sechs Freibauern aufgeteilt. Fünf neue Bauernhäuser wurden hinter der neuen Holzkirche, die 1663 erbaut wurde, errichtet. Jeder Bauer erhielt zwei Ochsen und zwei Kühe, jährliche Pacht und Zinsen wurden fällig. Von weiteren Verpflichtungen wurden sie befreit. Die zum Gut gehörenden Kossäten blieben weiter hier, mußten aber auf dem Gut Pinnow jährlich 117 Tage Frondienste ableisten. 1667 verstarb im Alter von nur 39 Jahren die Kurfürstin Luise Henriette von Oranien. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts wurde wenig überliefert. Um 1722 lebten ca. 110 Bauern, Kossäten, Knechte, Mägde, ein Müller, ein Schneider und ein Hirt in Birkenwerder. Nach Ende des 7jährigen Krieges lebten um 1770 nur noch 6 Bauern und 4 Kossäten mit Knechten und Mägden im Ort. Insgesamt waren es nur 70 - 80 Einwohner. Schon 1786 stieg die Einwohnerzahl wieder auf über 200 Menschen. Die französische Revolution von 1789 und der Sieg Napoleons über Preußen im Jahre 1806 führte auch in Birkenwerder zu Veränderungen. 1839 hatten die Bauern in Birkenwerder ihre Unabhängigkeit erreicht. Die Entdeckung umfangreicher Ablagerungen von sand- und kalkhaltigem Ton aus der letzten Eiszeit in der Umgebung, der sich hervorragend zum Brennen von Ziegeln eignete, führte zur Errichtung von Ziegeleien. Die erste Ziegelei produzierte 1837 den sogenannten "gelben Birkenwerder Klinker". Zeitgleich erhielt die Havelschiffart einen Aufschwung. Viele Schiffer siedelten sich in Birkenwerder an und transportierten Torf aus dem Rhinluch zwischen Fehrbellin und Kremmen zu den Ziegeleien nach Birkenwerder und gebrannte Ziegel nach Berlin und Oranienburg. Auch der Kirchenneubau des Baumeisters August Stühler von 1847 besteht aus den gelben Ziegelsteinen. Die Bevölkerungszahl stieg stetig an und 1856 lebten bereits 614 Einwohner, darunter ca. 30 Schifferfamilien, in Birkenwerder. Dies führte dazu, daß Birkenwerder 1874 ein eigener Amtsbezirk wurde. über die Entstehung des Namens gibt es verschiedene Ansichten. Am wahrscheinlichsten ist der Ursprung aus den niederdeutschen Wörtern Berke für Birke und Werder für Flußinsel. Der älteste Teil von Birkenwerder heißt heute noch "Am Werder". Auch die slawischen Begriffe Briese und Breza für Birken könnte man im übertragenen Sinne als Birkenfluß oder Birkenwald interpretieren.

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3.2 Archäologische Quellen

Das Baufeld lag etwa 1200 m westlich des heutigen Dorfkernes an der Mündung der Briese in die Havel (Plan 1). Es handelt sich dabei um eine flache etwa 500 x 200 m große Talsandzunge, die in die Havelniederung hineinreicht (Plan 3). Somit entsteht eine nach drei Seiten durch Niederung geschützte Situation, die gleichzeitig den Verkehrsweg Havel kontrolliert. Schon die geschützte Geländesituation in einem als Verkehrsweg genutzten Flusstal ist als vor- und frühgeschichtlicher Fundplatz prädestiniert. Dies zeigen auch die Altfunde, die vor allem während der Erstbebauung in den 1930er Jahren gemacht wurden. Dabei angeschnittene Gruben und eine Kulturschicht belegen eine recht gut erhaltene spätbronzezeitliche Siedlung (Fpl. 1). Aus der Kulturschicht konnte neben einem neolithischen Steinbeil Keramik mit Rillen, Hohlkehlen, geritzten Linien, Punktgrübchen mit Rillen, Turbanrändern und Reste von Köpenicker Tellern geborgen werden . Bei der Bebauung im Bereich des Fpl. 1 wurden zahlreiche Körpergräber angeschnitten, deren genaue Lage und zeitliche Einordnung nur grob einzugrenzen ist. Weiterhin wurde an der Spitze der natürlichen Halbinsel vermutlich ein slawischer Burgwall bei der Parzellierung abgegraben (Fpl 3). Dieser wurde urkundlich im Jahr 1525 erwähnt Auf einer Karte von 1732 ist an der Stelle Burgwall eingetragen . Beim Abtragen des Hügels im Jahr 1932 wurden Herdstellen und Pfosten beobachtet. Es konnten aber keine Befestigungen nachgewiesen werden. An Fundmaterial trat mittel- und jungslawische Keramik, harte Grauware, ein Sporn, zwei Pfeilspitzen und einen Knochenpfriem auf . Seinerzeit wurde die Zerstörung dieser wichtigen Fundstelle nicht dokumentiert, sodaß deren genaue Lage, Ausdehnung und Aufbau unbekannt sind. Ein mittelalterlicher Befund mit Teersiedekeramik war 1943 auf dem Grundstück Havelstraße 53 beim Rigolen angeschnitten worden. Der Grundstückeigentümer barg graubraune (slawische??) Keramik mit Resten von Teer, Eisenschlacke und ein Beschlagstück aus Eisen. Im Jahre 1944 fand eine kleinere Grabung unter der Leitung des in Birkenwerder wohnhaften Rektors i. R. und ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegers Neumann statt. Er wies drei weitere mittelalterliche Bestattungen nach und fand Keramik der Bronzezeit Periode V-VI. Im Bereich der Havelstraße, die sich am Südhang der Landzunge entlang zieht, zeigte sich bei vorangegangenen Ausgrabungen (PRH2004DOK158) eine komplizierte Stratigraphie. So waren dort unter teilweise mehreren mittelalterlichen und neuzeitlichen Straßenhorizonten eine vorgeschichtliche Kulturschicht und zahlreiche Befunde recht gut erhalten. Weiterhin konnten neben einigen rezenten Bombentrichtern mehrere kolluvial sedimentierte Abflussrinnen vom heute abgegrabenen Oberhang mit vorgeschichtlichen Funden untersucht werden. Da der Reihersteig und der Weidenweg hohlwegartig in den Sandrücken eingetieft wurden, waren dort keine Befunde und Kulturschichten erhalten. Jedoch zeigten sich zahlreiche Befunde und eine Kulturschicht in den Bereichen des Wendenplans und Mühlenfeldes, die nicht eingetieft wurden. Von einer steinzeitlichen Besiedlung zeugten einige Silexartefakte, die jedoch ausnahmslos als Lesefunde zu Tage traten. Weiterhin ließ sich im Zusammenhang mit der Errichtung der SW-Kanalisation, wie erwartet, eine intensive spätbronzezeitliche Besiedlung im gesamten Spornbereich nachweisen. Zahlreiche Siedlungsgruben und Feuerstellen sowie eine in vielen Bereichen erhaltene bronzezeitliche Kulturschicht und reiches Fundmaterial belegen eine intensive Nutzung des Areals am Beginn des ersten vorchristlichen Jt. Weiterhin konnte ein bronzener Fingerring (Altfund, von einer Anwohnerin gemacht) aufgenommen werden. Von dem in den 30er Jahren des 20. Jh. an der Briesemündung ausgegrabenen spätslawischen Burgwall konnten bis auf wenige Einzelfunde keine Spuren nachgewiesen werden. Der Nachweis der slawischen Besiedlung ist im Zusammenhang mit der Interpretation der bisher unbekannten mittelalterlichen Wüstung bedeutsam. Völlig unerwartet wurden im Baufeld der SW- Kanalisation drei mittelalterliche Erdkeller angeschnitten und teilweise untersucht. Die ca. 4,5 m messenden, ehemals holzverbauten Kellergruben enthielten in der Verfüllung zahlreiche Funde des 13. Jh. Anhand der gut erhaltenen, verkohlten Reste der Holzkeller konnte deren Aufbau rekonstruiert werden. Die Keller besaßen einen Schwellbalkenkranz, der die Eckpfosten trug und die Wände aus Spaltbohlen aussteifte. In einem Fall ließ sich eine außenliegende Kellertreppe mit Tür nachweisen. Als Bauholz diente ausschließlich Eichenholz. Die verkohlten Reste mehrerer Balken ermöglichten die eindeutige dendrochronologische Datierung des Bauholzes in die Jahre 1257/58. Ein weiterer derartiger Keller wurde von Anwohnern in der Straße am Reihersteig beobachtet. Es wurden zahlreiche Funde aus diesem Keller, die ebenfalls in das 13./14. Jh. datieren, übergeben. Mit diesen, im ländlichen Kontext Brandenburgs bisher selten untersuchten Kellern konnte eine mittelalterliche Dorfstelle nachgewiesen werden. In Verbindung mit den aus den Altfunden bekannten Käbern, deren mittelalterliche Datierung als gesichert gelten kann, sind Aussagen zur dörflichen Gliederung möglich. Aus dem Umstand, daß keine Körpergräber in den Bautrassen angeschnitten wurden, läsßt sich der Gräberfeldbereich einschränken. Weitere Bedeutung erhält die Wüstung im Zusammenhang mit dem 1200 m östlich gelegenen Birkenwerder, welches 1355 erstmalig erwähnt wird. Die geringe Entfernung legt nahe, daß es sich bei der Wüstung um die Erstgründung "berkgenwerder" handelt, die im 14. Jh. etwas nach Osten, an den Brieseübergang der wichtigen Handelsroute von Berlin in die mecklenburgischen Städte und an die Ostsee verlagert wurde. Damit ist das Dorf Birkenwerder bereits 100 Jahre vor der urkundlichen Ersterwähnung im Jahre 1355 errichtet worden. Die Havelniederung im Bereich der Briesemündung ist von zahlreichen Fundplätzen umgeben. Einige davon sollen kurz erwähnt werden, da sie wichtig für die Bewertung der Fundplätze Birkenwerder 1 und 3 sind. Die dichte bronzezeitliche Besiedlung des Gebietes läßt sich an vier weiteren Fundplätzen im Umkreis von ca. 2 km belegen. Der Fundplatz Birkenwerder 8, der östlich ans Baufeld anschließt, lieferte ebenfalls bronzezeitliche Funde und dürfte zu derselben Siedlung wie Fpl. 1 gehören. Vom Fundplatz Hohen Neuendorf Nr. 1 auf der anderen Seite der Briesemündung stammen weitere bronzezeitliche Funde. Ein Gräberfeld der späten Bronzezeit ist vom Fundplatz Hohen Neuendorf Nr. 5, etwa 1,5 km südöstlich vom Baufeld gelegen, bekannt. Für das Mittelalter können die nebeneinanderliegenden Fundplätze Birkenwerder Nr. 1, 3 und 8 als wüste Dorfstelle zusammengefaßt werden. Auf dem nahegelegenen Fundplatz Birkenwerder Nr. 2, gegenüber der Dorfwüstung auf der anderen Brieseseite gelegen (Plan 4), konnte mittelalterliche Teererzeugung nachgewiesen werden. Ein weiterer Teersiedestandort mit mittelalterlicher Keramik ist der Fundplatz Hohen Neuendorf Nr. 2 (etwa 1 km südöstlich von der wüsten Dorfstelle gelegen). Von dem an der Briesemündung gelegenen, bereits erwähnten, Fundplatz Hohen Neuendorf Nr. 1 stammen weitere mittelalterliche als auch slawische Funde. Ein anderer slawischer Fundplatz liegt auf der anderen Seite der alten Havel gegenüber des Fundplatzes Birkenwerder 3. Mittelalterliche Keramik und vier neuzeitliche Bestattungen stammen vom Fundplatz Birkenwerder 12, der 500 m westlich vom Untersuchungsraum liegt. Interessanterweise traten vom Fundplatz Birkenwerder 11 (Plan 4) im jetzigen Ortskern keine mittelalterlichen Funde auf, obwohl die 1355 erwähnte mittelalterliche Burg dort lokalisiert wird. Auf dem, ebenfalls im jetzigen Dorfkern liegenden Fundplatz Birkenwerder 15 (Plan 4) fand man bei der Erneuerung der Brücke über die Briese Holzreste einer älteren Brücke, mittelalterliche Keramik und eine slawische Scherbe.

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4 Bodenbedingungen

Geprägt wird das Untersuchungsgebiet am östlichen Havelufer durch die eiszeitliche Landschaftsgenese mit weiten flachen Sandgebieten, die von Abflußrinnen zerschnitten werden. Teilweise haben sich kleinere Grundmoränenreste mit lehmigen Sanden erhalten. In den vegetationsarmen Perioden kam es zu Ausbildung größerer Dünengebiete, so z. B. östlich des heutigen Dorfes. Als wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung des Dorfes in der Neuzeit erwiesen sich die Tonlagerstätten nordwestlich vom heutigen Dorfkern. Das Baufeld liegt 1200 m westlich des heutigen Dorfkerns auf einem in die Havelniederung reichenden Geländesporn. Er wird nördlich von Niederungsböden, südlich vom Fluß Briese und westlich von einem Altarm der Havel begrenzt. Mit Höhen um die 36 m ü N.N. erhebt sich dieser um bis zu 5 m deutlich über die umgebende Niederung. Im Bereich der Talsandzunge liegen postglaziale Schwemmsande vor. Durch das sandige Substrat kam es in Hangbereichen am Rand des Sporns zu Erosionsvorgängen und der Bildung von Kolluvien. In den Niederungen findet sich Niederungstorf unterschiedlicher Mächtigkeit über älteren glazialen Sedimenten.

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5 Befundlage und Erhaltungsbedingungen, Stratigraphie

Die Maßnahme umfaßte die Untersuchung der Fläche der Baugrube des geplanten Einfamilienhauses Havelstraße 39 in Birkenwerder.
Durch die Erschließung der Baugrundstücke in den 1930er Jahren kam es zu erheblichen Geländeveränderungen, um das Relief einzuebnen. Dabei wurde vor allem im Kuppenbereichen Material abgetragen und in den Niederungen aufgeschüttet. Das 16 x 14 m große Baufeld lag am Niederungsrand, in den bereits die Havelstraße eingetieft wurde. Somit befand sich die Fläche am Hang mit einem starken Gefälle nach Süden. Im hellen anstehenden Sand zeichneten sich deutlich die Befunde ab. Besonders der Südteil der Fläche war durch zahlreiche moderne Eingriffe wie z. B. Rigolgräbchen gestört. Von N nach S durchquerte eine Wasserleitung die Fläche. über dem hellen anstehenden Sand konnte im nördlichen Baufeld im Profil ein Verbraunungshorizont dokumentiert werden, über dem eine ca. 0,2 m mächtige urgeschichtliche Kulturschicht lag. Diese wurde jüngeren Befunden geschnitten, jedoch nicht überlagert. Der ca. 0,3 m starke rezente Humushorizont lag über der Kulturschicht. Im südlichen Teil des Baufeldes war der Humus bereits abgetragen, Kulturschicht und Verbraunungshorizont hatten sich hier ebenfalls nicht erhalten.

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6 Ergebnisse

6.1 Befunde

Im Planum wurden 49 vorgeschichtliche und mittelalterliche Befunde freigelegt. Dabei handelte es sich um ca. 27 bronzezeitliche und mittelalterliche Siedlungsgruben, ca. 17 Pfostenverfärbungen, drei Feuerstellen, ein bronzezeitliches Wandgräbchen und ein mittelalterlicher Hausbefund (Grubenhaus) mit verkohlter Holzkonstruktion und vier eingetieften Eckpfosten.
Die spätbronzezeitlichen Befunde enthielten zahlreiche Fragmente von Siedlungskeramik (teilweise verzierte, u. a. tordierte Ränder). Aus dem Aushub stammt ein Fragment eines Bronzehals(?)ringes mit kreissegmentförmigem Querschnitt. Die mittelalterlichen Befunde erbrachten zahlreiche Fragmente harter Grauware des 13./14. Jh.
Im Folgenden soll ein herausragender mittelalterlicher Befund beschrieben werden, der vollständig untersucht werden konnte. Dabei handelt es sich um ein Grubenhaus, dessen Spuren dank der Vernichtung durch Feuer deutlich erhalten blieben. Aus der Schuttverfüllung des Befundes konnten acht, teilweise fast vollständige Vorratsgefäße geborgen werden.
Bereits in ersten Planum war der Befund als annähernd rechteckige, graubraune Verfärbung mit N-S-Ausrichtung erkennbar. Die Größe betrug im 1. Planum ca. 2 x 3,4 m. Ein 2. Planum wurde ca. 5 cm tiefer angelegt, da der nördliche Bereich des Befundes im 1. Planum von Humusmaterial überlagert wurde. Die Größe betrug hier 2 x 3,2 m. An den Rändern des deutlich abgrenzbaren Befundes konnten besonders im N, O und SO die verkohlten Wände als 10-15 cm breite schwarzgraue Streifen mit verbranntem Holz, Brandlehm und wenig Keramik (5-1) dokumentiert werden. Eine weitere schwärzliche Verfärbung befand sich im SO, worunter Gefäß 1 stand. Der restliche Befund war mit mittelbraunem bis graubraunem Sand (5-2) verfüllt. In einigen Bereichen war der Befund von modernen Rigolgräbchen gestört.
Bei Anlage des 3. Planums wurden zwei rechtwinklig zueinander stehende Profilstege ausgespart, die den Befund in Richtung N-S (C-D) und in Richtung O-W (A-B) durchschnitten. Das 3. Planum lag ca. 20-25 cm unter dem 2. Planum. Beim Abtiefen wurden große Mengen Keramik, gebrannte Knochen, Brandlehm, wenige Kalkbrocken und Silexabschläge hauptsächlich aus den beiden südlichen Quadranten geborgen. Der rechteckige Befund hatte nun eine Ausdehnung von 2 x 2,8 m. Die verkohlten Wände waren jetzt auch im NW deutlich zu erkennen. In Quadrant 3 befanden sich in der SW-Ecke die noch im Zusammenhang befindlichen Scherben eines aufrecht stehenden Gefäßes (Gefäß 1: dünnwandiger, 35 cm großer Kugeltopf, schwarzgrau, grob gemagert), die Scherben des Oberteiles wurden bei Anlage des Planums abgetragen, der untere Teil befand sich im 3. Planum noch in situ. Nordöstlich davon befanden sich, ebenfalls in Quadrant 3, Scherben eines weiteren Gefäßes, ebenfalls aufrecht stehend (Gefäß 2: 29 cm hoher Kugeltopf, außen geglättet, mittelbraun bis schwärzlich). Die Reste von Gefäß 3 (Kanne mit Spiralfurchen) lagen nördlich von Gefäß 2, am nördlichen Rand des Quadranten. In der Mitte des Befundes wurde eine Brandlehmkonzentration (5-4) dokumentiert, in der sich die (sekundär gebrannten) Scherben eines großen, dickwandigen, rötlichen, außen beschlicktem Kugeltopfes (Gefäß 4, ca. 50 cm hoch!) befanden. In Quadrant 2 lag ein Großteil der Scherben von Gefäß 5 (dickwandiger, 50 cm großer, außen beschlickter, schwarzgrauer Kugeltopf) und von weiteren 3 Gefäßen, die jedoch nicht vollständig waren. In Quadrant 4 befand sich westlich ein unverbrannter Lehmfleck (5-3). Im O und im S des Befundes konnte z. T. die Baugrube (5-6) dokumentiert werden.
Das 4. Planum wurde nach Entfernen der Kellerfüllung dicht oberhalb des Kellerbodens angelegt. Die rekonstruierbare, gesicherte Größe des Gebäudes anhand der Plana und Profile (an der Sohle) betrug 2,60 x 1,95 m. Im Planum, hauptsächlich in den Quadranten 1 und 4, wurden flächig verkohlte Holzreste bzw. stark holzkohlehaltiger Sand (5-19) sichtbar. Die Kellerfüllung war insgesamt sandig, inhomogen mit Branderdeflecken und Bereichen mit graubraunem Sand, relativ stark durchwurzelt. In Quadrant 1 konnte ein Teil der Nordwand als Holzkohlerest dokumentiert werden, wahrscheinlich handelte es sich um einen Eichenstamm, von dem jedoch nur die Waldkante mit 2 - 3 Jahresringen erhalten war, der Rest bestand aus humoser Branderde.
Nach Entfernen der letzten Brandreste, die vom verbrannten Holzboden des Gebäudes herrührten, wurde im Baugrubenbereich Planum 5 angelegt. Im Planum waren deutlich vier Eckpfosten erkennbar. Die Reste der außerhalb der Pfosten befindlichen Wände waren als ganz schwache Grabenverfärbung (5-12) an der S- und an der O-Wand deutlich. Im Bereich des Kellerbodens enthielten nur die Quadranten 2 - 4 mittelalterliches Fundmaterial, in Quadrant 4 befand sich auch Brandlehm und ungebrannte Lehmreste. Die Grenzen des Befundes zum anstehenden Sand waren in Planum 5 nur schwach erkennbar. Die Verfüllung der Baugrube wurde durchmischtem, gelbbraunem bis mittelbraunem Feinsand (5-5) gebildet, der den im Zuge der Errichtung des Kellers wieder eingebrachten Aushub darstellte. In dieser Schicht konnten Spatenspuren erkannt werden. Die Pfosten wurden einzeln geschnitten. Sie hatten einen Durchmesser von ca. 0,25 bis 0,4 m und reichten 0,4 bis 0,65 m unter Planum 5. Sie waren ausnahmslos stark durchwurzelt und enthielten in ihrer hellbraunen sandigen Verfüllung Holzkohlepartikel. Deutlich wurde, daß die beiden südlicheren Pfosten 5-10 und 5-7 tiefer gegründet waren als die beiden nördlicheren, was auf die Hanglage des ungebenden Geländes zurückzuführen ist.
In den beiden entstandenen Profilen war deutlich die Baugrube 5-5 und darin die verkohlten Wände und der Boden des Kellers zu erkennen.
Bei Abtragen der Profilstege wurde am Rande von Quadrant 2 ein eiserner Schlüssel geborgen . Solche massiven Bartschlüssel kommen im 13. und 14. Jh. vor. Ein weiterer Fund aus dem Keller ist ein Fragment eines ehemals runden Schleifsteines .
Bei diesem bauhistorisch außerordentlich wichtigen, ausgezeichnet erhaltenen Befund handelt es sich um ein brandzerstörtes, hölzernes Grubenhaus, das durch die Keramik im Brandschutt in das 13. Jh. datiert werden kann. Es dürfte sich hierbei um ein Nebengebäude zu einem unweit gelegenen Wohnhaus handeln. Zusammen mit den dendrochronologisch in die Mitte des 13. Jh. datierten Kellerbefunden derartiger Häuser in der vorangegangenen Grabung PRH2004DOK158 vervollständigt sich damit das Bild des hochmittelalterlichen Ortes "Berkgenwerder" um eine Hausstelle.

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(2006)

PROJEKTBEZEICHNUNG: Baubgegleitende Dokumentation Havelstraße Neubau Einfamilienhaus

AUTOREN: Ph.Bach, Th. Hauptmann
BAUHERR/AUFTRAGGEBER: Privat
UNTERSUCHUNGSZEITRAUM: 22. 03. 2005 bis 02. 04. 2005
ARCHIVNR. DES BLDAM: PRH 2005-035
INVENTARNR. DES BLDAM: 2005:458

© BAB Hauptmann + Bach GmbH 2011

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Birkenwerder Havelstrasse Topographische Karte
Aktuelle topographische Karte (TK 10, Blatt 3345 NW, NO) (als PDF hinterlegt)

Birkenwerder Havelstrasse historische topographische  Karte
Historische topographische Karte (Urmesstischblatt Nr. 1764 von ca. 1840)(als PDF hinterlegt)

Birkenwerder Havelstrasse Geologische Karte
Historische geologische Karte (geologisches Messtischblatt) (als PDF hinterlegt)

Birkenwerder Havelstrasse Gesamtplan
Technischer Gesamtplan (als PDF hinterlegt)

Birkenwerder Havelstrasse Befundplan
Befundplan (als PDF hinterlegt)

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
Das Baufeld nach dem Oberbodenabtrag

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
Das Baufeld, Planum 1

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
Urgeschichtliche Grube im Planum

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
Urgeschichtliche Grube im Profil

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
Urgeschichtliche Scherbe ("Turbanrandteller")

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
Urgeschichtliche Silexklinge

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
Mittelalterliches Grubenhaus im 2. Planum

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
Mittelalterliches Grubenhaus mit Profilstegen

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
Arbeit am mittelalterlichen Grubenhaus

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
große Vorratsgefäße (Kugeltöpfe) aus dem mittelalterlichen Grubenhaus

Grabung Birkenwerder Havelstrasse
Schlüssel aus dem mittelalterlichen Grubenhaus

7 Literatur:
Corpus Archäologischer Quellen zur Frühgeschichte Band III (1979).
E. Dahlenburg: Birkenwerder 1355-1955 (1955).
M. Dörnenburg: Birkenwerder, ein historischer Spaziergang (1996).
S. Eickhoff: Aus verschütteten Kellern geborgen. Ausgrabungen zur frühen Stadtgeschichte in Cottbus, Archäologie in Berlin und Brandenburg 1993 – 1994, S. 150 – 152, (1995).
H. Geisler und K. Grebe: Poztupini – Poststamp – Potsdam. Ergebnisse archäologischer Forschungen; 1993.
H. Jerchel, Die Kunstdenkmäler der Provinz Mark Brandenburg, Niederbarnim, Berlin, (1939), 95.
Th. Hauptmann; U. Weiß: Abschlußbericht PRH2004DOK158, ungedr. Manuskript (Archiv BLDAM)
J. Henker: Archäologische Dorfkernuntersuchung in den Landkreisen Barnim und Märkisch – Oderland und ihre Aussagen zur hochmittelalterlichen Ostsiedlung, Magisterarbeit an der Humboldt Universität zu Berlin, 2004.
N. Hensel: Achthundert Jahre auf siebenhundert Quadratmeter. Siedlungsbefunde in der Altstadt Kyritz; Archäologie in Berlin und Brandenburg 1999, S. 112, (2000).
J. Herrmann: Katalog der vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle, (1960).
J. Herrmann: Siedlungsschichten und Reste von Berliner Bürgerhäusern von der Stadtgründung bis zum 14. Jh. am Hohen Steinweg und an der Rathausstraße; Zeitschrift für Archäologie 21; S. 193 – 226; (1987).
L. Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IV Barnim; (1980).
M. Hofmann und F. Röner: Vom Stabbohlenhaus zum Haus der Wirtschaft; Ausgrabungen in Alt Cölln Breite Straße 21 – 29; Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin 14; (2002).
F. Horst: Die jüngere Bronzezeit im Havelgebiet, Katalog Band III/IV, ungedruckte Dissertation (1965).
F. Horst: Jungbronzezeitliche Formenkreise im Mittelelb – Havel Gebiet; Jahreszeitschrift Mitteldeutsche Vorgeschichte, Band 56, S. 97 – 165, (1972).
A. v. Müller: Edelmann...Bürger, Bauer, Bettelmann. Berlin im Mittelalter; (1979).
H. Seyer: Ein mittelalterliches Haus vom Vorplatz der Berliner Nicolaikirche; Ausgrabung und Funde 29; S. 92 – 94; (1984).
Th. Schobert: Ein mittelalterlicher Keller in Ständerbauweise aus Beeskow, Archäologie in Berlin und Brandenburg 1990 – 1992, S. 86 – 87, (1995).
www.birkenwerder.com: zusammengestellt von Jürgen Pfennig