Freyenstein (OPR)

Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Freyenstein, Lkr. OPR, freigelegter Keller





2 Allgemeines

Im Bereich der Stadtwüstung Freyenstein wurde als Auftakt zur Einrichtung des Archäologischen Parks im Jahre 2007 ein geophysikalisch lokalisierter Feldsteinkeller freigelegt und mit einem Schutzbau versehen. Drei weitere sondierte Keller wurden im Gelände oberflächig gekennzeichnet und beschildert. Die Eröffnung des ersten Bauabschnittes erfolgte im Sommer 2007.

 

Das Projekt des Archäologischen Parkes Freyenstein ist eingebettet in das Konzept der Zentralen archäologischen Orte des BLDAM, das die fachliche, museale und touristische Erschließung von kulturgeschichtlich besonders bedeutenden Bodendenkmalen in der Prignitz beinhaltet. Hier ist die Einrichtung eines archäologischen Pfades geplant, dessen östlichste Station die Stadtwüstung Freyenstein mit dem Archäologischen Park bildet. Weitere Stationen neben Freyenstein sind das Schloß Meyenburg, der Teufelsberg bei Wolfshagen, das Königsgrab bei Seddin, das Großsteingrab von Mellen und die Burg von Lenzen.

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3 Kenntnisstand

3.1 Historische Quellen

 

Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Urmesstischblatt von 1839


Über die nur etwa ein Dreivierteljahrhundert genutzte, heutige Stadtwüstung Freyenstein gibt es nur sehr spärliche historische Nachrichten. Die 1263 als markgräflicher Urkundsort ersterwähnte Stadt Vriegenstene wurde vermutlich um oder kurz nach 1200 angelegt. Sie war als Grenzort zwischen den Brandenburger Markgrafen und den mecklenburgischen Landesherren ständig umstritten. Da Freyenstein in der im Zuge des hochmittelalterlichen Landesausbaus durch die Havelberger Bischöfe neu geschaffenen Terra Wittstock lag, werden diese als Stadtgründer angesehen (Plate 1989, 210). Die ursprünglich dem Bischof zu Havelberg gehörende Stadt wurde 1274 erneut an die mecklenburgischen Herren zu Werle belehnt, nachdem es ihnen gewaltsam von den Markgrafen zu Brandenburg entrissen worden war. Jedoch taucht der Ort bereits 1276 wieder als markgräflicher Urkundsort auf, was auf eine militärische Rückeroberung durch die Brandenburger schließen lässt. 1287 wird der durch Kriege mehrfach zerstörte und seiner Rechte verlustig gegangenen Stadt durch die Markgrafen Otto IV und Konrad das Recht zum Wiederaufbau und das erneute Stadtrecht an Rat und Bürgerschaft verliehen. Im Zuge dessen entstand die Stadt an der heutigen Stelle neu. 1295 wird der Platz der alten Stadt mit allen Hausgrundstücken und dem dazugehörigen Land den Bürgern der nun in der nahe gelegenen Niederung errichteten Stadt übereignet (Enders 1997, 217).

Die neue Stadt Freyenstein besitzt mehrere bedeutende Burg- und Schloßanlagen, die sich seit Anfang des 14. Jhs. im Bereich einer Wasserburg am Rande der neuen Stadt entwickelt haben. Heute noch vorhanden sind neben einem Festen Haus aus dem Ende des 15. Jh. die Reste eines bedeutenden Renaissanceschloßes mit repräsentativem Bauschmuck, der auf das Jahr 1556 zurückgeht.

Für die alte Stadt Freyenstein, also für den Zeitraum des 13. Jhs., gibt es aus den Schriftquellen keinerlei Hinweise auf das Vorhandensein einer Burg. Die geomagnetische Kartierung ergab überraschenderweise im Norden der Stadtwüstung, wo heute der Warnsdorfer Weg die alte Stadt tangiert, eine quadratische Grabenanlage. Derartige Grabenanlagen sind typisch für kleine, mittelalterliche Adelsburgen in Brandenburg. Schon aus diesem Befund der geophysikalischen Kartierung kann die Existenz einer Burgstelle in der alten Stadt geschlussfolgert werden.

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3.2 Archäologische Quellen

Nach Zufallsfunden bei Kabelverlegearbeiten fanden in den Jahren 1982 bis 1987 umfangreiche Ausgrabungen durch das Museum Potsdam auf der Stadtwüstung statt. Dabei wurden in drei Teilflächen drei Holzkeller und vier Keller aus Feldsteinmauern mit teilweise abgeknickten Eingangsrampen oder –treppen und zahlreiche weitere Befunde freigelegt.
In den Jahren 2000 bis 2005 wurde die Stadtwüstung durch Th. Schenk von der HTW Berlin vollständig geophysikalisch untersucht. Die akribische Begehung mit einer Förstersonde ermöglichte die Erstellung eines stadtplanähnlichen Magnetogramms. Daraus ablesbar ist die regelmäßige Anordnung von Steinkellern an rechtwinklig auf den zentralen Marktplatz zulaufenden Straßen, eine randlich gelegene, grabenbewehrte Burgstelle und eine umlaufende Stadtbefestigung durch eine Wallgrabenanlage (Plate, Schenk 2004).

Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Magnetogramm der Stadtwüstung (Th. Schenk)

In den Jahren 2002 und 2005 wurden verschiedene Sondagen angelegt, um den Erhaltungs- und Gefährdungsgrad der archäologischen Substanz zu verifizieren. Danach befinden sich in Teilen der ehemaligen Stadt die historischen Oberflächen nur wenige Dezimeter unter der heutigen Geländeoberkante, während in anderen Bereichen die alte Oberfläche und die Befunde bis in eine Tiefe von 0,7 m zerstört sind.

Die Ergebnisse seiner Forschungen wurden durch Th. Schenk im Jahre 2009 in der Monografie „Die Altstadt von Freyenstein“ veröffentlicht.

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4 Bodenbedingungen

Die ausgewählte Fläche befindet sich im Zentrum der Stadtwüstung Freyenstein auf einem leicht nach Nordosten geneigten Hang. Der anstehende Boden innerhalb der Grabungsfläche wird durch den festen ockerfarbenen Lehm der Grundmoräne gebildet, der sehr viele Geschiebe enthält. Der obere Bereich dieser Schicht bestand aufgrund periglazialer Einflüsse im Wesentlichen aus sandigem gelbgrauem Schluff. Darüber lagert der Verbraunungshorizont, der aufgrund der leichten Hanglage von Südwest bis Nordost in seiner Mächtigkeit von 0,1 m auf 0,4 m Stärke zunimmt. Eine kolluviale Zunahme dieser Schicht scheint möglich. Allerdings müssen diese Prozesse bereits vor Gründung der Stadt Freyenstein eingesetzt haben, da die Befunde des 13. Jh. in diesen Horizont eingetieft worden sind. Dass die ständig aktive Horizontbildung mit dem 13. Jh. nicht abgeschlossen war, zeigt Grube 8, über der eindeutig der hellere, von Auswaschungsprozessen geprägte Verbraunungshorizont feststellbar war. Über dem Verbraunungshorizont befindet sich die 0,3 bis 0,4 m starke Pflugschicht, die teilweise durch eine deutliche Kappungsgrenze aufgrund des Pflügens des Ackers vom darunter liegenden Schichtpaket getrennt war.

 

Das Grabungsgelände wie auch das gesamte Areal der Altstadt Freyenstein befinden sich auf einem grundwasserfernen Standort auf der Hochfläche der Grundmoräne. Schichtenwasser steht laut dem Baugutachten erst in 2,5 m Tiefe an. Das nächstgelegene Oberflächengewässer ist die an der Nordostseite der Stadtwüstung zwischen Altstadt und Neustadt entlang fließende Bäk, die westlich des Ortes entspringt. Nördlich und westlich der Altstadt befindet sich eine sumpfige Niederung, in der die heutige Stadt Freyenstein liegt. Somit stellt sich das gesamte Stadtgebiet als trockener Standort dar, die genannten Oberflächengewässer befinden sich außerhalb der Stadtbefestigung.

Die Parzelle, zu der der untersuchte Steinkeller gehört, ist dem von Thomas Schenk erstellten Gesamtplan der Stadt zufolge der von Südwesten nach Nordosten verlaufenden Hauptverkehrsstraße zuzuordnen, an deren Südseite das betreffende Grundstück lag. Es liegt zudem nahe beim den Stadtgrundriss beherrschenden Marktplatz, über den die beschriebene Hauptstraße ca. 100 m weiter westlich führte. Somit ist die Parzelle mit ihrem Besitzer innerhalb der Sozialtopographie der mittelalterlichen Stadt weit oben anzusiedeln, da die Grundstücke am Markt und den zentralen Zufahrtsstraßen der städtischen Oberschicht vorbehalten waren.

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5 Befundlage und Erhaltungsbedingungen, Stratigraphie

Die Erhaltungsbedingungen auf dem Gelände der Stadtwüstung sind generell als mäßig einzustufen, da das Areal aufgrund der seit 700 Jahren ununterbrochenen Beackerung stark der Bodenerosion ausgesetzt war. Aufgrund des Pflügens bis in ca. 30 cm Tiefe konnten sich weder alte Oberflächen noch aufgehende Baustrukturen erhalten. Bodeneingriffe durch Baumaßnahmen, wie auf anderen Teilen der Stadtfläche, waren hier glücklicherweise nicht zu konstatieren. Die Lage am Mittelhang der Kuppe führte neben der genannten Bodenabtragung aber auch zu einer Akkumulation humosen Bodens im unteren Teil des Hanges, dessen auf der Grabung sichtbares Ergebnis der bis zu 0,4 m starke Verbraunungshorizont war. Aufgrund dessen ist der Substanzverlust im Unterboden nicht allzu stark, wie der gut erhaltene Ofenkomplex 9 zeigt. Das Grabungsgelände der von Chr. Plate durchgeführten Untersuchungen war aufgrund der Lage stärkerer Erosion ausgesetzt. Aus diesen Gründen ist der 2007 ausgegrabene Keller in den oberen Teilen besser erhalten, was zur Konservierung wichtiger Baudetails im Boden beitrug. Da teilweise das Gewölbe des Kellerzugangs noch intakt war, kann von der Erhaltung des Kellers in ursprünglicher Höhe ausgegangen werden.

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6 Ergebnisse

6.1 Befunde

Wie bei früheren Grabungen in den 1980er Jahren konnte auch bei dem aktuell untersuchten Gebäuderest zwischen einer ältere Phase mit holzverschalten Kellern bzw. eingetieften Bauten und einer jüngeren Siedlungsphase mit Steinkellern unterschieden werden. Ausschlaggebend für dies Deutung ist die Überschneidung des eingetieften Baus (Befund 4) durch den Zugangsbereich des Steinkellers (Befund 2). Eine identische Situation wurde durch Christa und Friedrich Plate am Mühlengrundstück festgestellt, wo der Zugangsbereich des Steinkellers 13 den Holzkeller 8 und der Steinkeller 1 den Holzkeller 2 schneidet. Somit ist die Aussage gesichert, dass die Steinkeller nicht der Gründungsphase, sondern der ersten Stadtentwicklungsphase Freyensteins angehören, ein Umstand, der sich eventuell in den Gründungstädten des 13. Jh. in ganz Brandenburg verifizieren ließe. Zudem hat sich am Übergang von der älteren zur jüngeren Phase die Grundstücksstruktur verändert. Während der eingetiefte Bau (Befund 4) ca. 6,5 m von der Straße ins Grundstück eingerückt war, lag der Steinkeller (Befund 2) mit seiner Vorderfront direkt an der straßenseitigen Parzellengrenze. Gleiches wurde in den 80er Jahren beobachtet, wo zudem festgestellt werden konnte, dass die Eingänge der Steinkeller ins Grundstücksinnere führten, dagegen die der Erdkeller nach vorn wiesen. Auch weisen der eingetiefte Bau 4 dieser Kampagne, wie auch Erdkeller 8 und 2 der Grabungen in den 80er Jahren eine Orientierung quer zum Straßenverlauf auf, währen die Steinkellerräume längs an der Straße liegen. Befund 4 wurde aufgrund seiner geringen Tiefe von nur 0,8 m unter Planum 1 und seiner Konstruktion mit Eckpfosten als eingetiefter Bau interpretiert. Zwar weist der von seinen Abmessungen fast identische Keller Komplex 8 der 80er Jahre ebenso Eckpfosten auf, doch besitzt er mit 1,4 m Tiefe unter Planum eine wesentlich größere Tiefenausdehnung. Bei der Herausstellung solcher eingetiefter Gebäude gibt es nach wie vor Schwierigkeiten, da sie zumeist aufgrund der geringeren Tiefe von den ansonsten fast gleichartigen Holzkellern unterschieden werden. Beispiele eingetiefter Bauten des 13. Jh. sind aus Wolkenberg und Hellersdorf bekannt. Ein sehr ähnliches eingetieftes Gebäude wurde kürzlich auf der Wüstung Birkenwerder (Lkr. Oberhavel) freigelegt, welches ebenso Eckpfosten auswies. Eventuell können solche Eckpfosten, wie sie auch bei Befund 4 in Freyenstein auftraten, als Erkennungsmerkmal von eingetieften Gebäuden gelten. Zu unterscheiden wären sie demnach von den mittels eines Spannrahmens gehaltenen Wandverkleidungen der Holzkeller. Funktional werden eingetiefte Bauten als Nebengebäude angesprochen oder mit provisorischen Unterkünften während der Stadtgründungsphase verbunden. In dem eingetieften Gebäude 4 fand sich keine Brandschicht, sondern eine Verfüllung aus graubraunem lehmigem Schluff. Die bereits in den 80er Jahren gegrabenen, in Form und Größe vergleichbaren Befunde 2 und 8 wiesen ebenso keine Brandschichten als primäre Verfüllung auf, sondern nur wie bei Befund 4 in den oberen Bereichen. Somit ist gesichert, dass es sich beim Übergang von der älteren zur jüngeren Siedlungsphase in Freyenstein um keinen Zerstörungshorizont, sondern um eine planmäßige, weite Stadtareale überspannende Umstrukturierungsphase handelte. Beim Steinkeller 2 konnte anhand der räumlichen Verteilung von Lichtschächten und Wandnischen sowie des Abwinkelns der Eingangssituation gezeigt werden, welches die Außenwände des oberirdischen Gebäudes waren und in welchen Bereichen sich das Gebäude fortsetzte. Als Ergebnis sehen wir ein traufständiges Gebäude von 11 m Breite vor uns, dessen Keller nicht ins Erdgeschoss hineinragte. Aufgrund der schrägen Lichtnische an der straßenseitigen Kellerfront kann an dieser Stelle ein Eingang rekonstruiert werden, an dem sich nach Süden ein Mittelkorridor anschloss, der im Süden vermutlich einen zweiten Ausgang zum Hof hatte. Von diesem Mittelkorridor aus war zudem der in dessen Richtung weisenden Kellereingang benutzbar. Sehr praktikabel ist auch die Vorstellung, dass der Aufgang ins 1. Obergeschoss direkt über dem Gewölbe des Kellerzugangs lag, wie das in historischen Bauten der Fall ist. Das Aufgehende des Hauses bestand vermutlich aus Fachwerk, wie die typischen Abdrücke der zahlreichen Brandlehmstücke in der Verfüllung zeigen. Einzelne Brandlehmstücke wiesen noch Reste von weißem Kalkanstrich auf, so dass ein weiß getünchter Fachwerkbau rekonstruiert werden kann. Auf alle Fälle handelt es sich um keinen Unterbau eines mehrgeschossigen Steinwerks, was allein schon durch die nachweisbare Fortsetzung des Gesamtgebäudes nach Osten unmöglich ist. Mit 22,4 m2 Innenfläche liegt mit dem Freyensteiner Keller ein im Vergleich mit anderen Steinkellern Ostdeutschland großen Keller vor. Dagegen waren die in den 80er Jahren auf der Stadtwüstung ausgegrabenen Keller kleiner, auch wich deren fast quadratische Form von dem 2007 untersuchten rechteckigen Keller ab. Am vergleichbarsten ist noch Keller 1, dessen Grundrissschema dem von 2007 entsprach. Auch zeigte er den charakteristischen Wandversprung an der Stelle, wo der Übergang zwischen Kellezugangsbereich und Kellerraum einen Türanschlag nötig machte. In ähnlicher Weise hatte dieser Keller auch einen Lichtschacht auf der der Eingangssituation gegenüber liegenden Außenseite des Gebäudes und eine Wandnische auf der ins Gebäudeinnere weisenden Nordwestseite. Die Lichtschächte und Wandnischen ähneln in Größe und Form sehr denen im vorliegenden Bericht vorgestellten Exemplaren. Leider wurde deren Bedeutung für die Rekonstruktion des obertägigen Gebäudes nicht erkannt und die Steinkeller allesamt zu unterkellerten einräumigen Steinbauten, den sog. Steinwerken oder Kemenaten erklärt. Wie im vorgestellten Steinkeller waren die in den 80er Jahren freigelegten Keller mit einem einfachen Lehmboden ausgestattet. Auch die Mauertechnik war identisch. Im Prinzip entspricht die Eingangssituation mittels in zwei Mauern gefasster Rampen oder Treppen dem bekannten Bild. Bei den Grabungen in den 80er Jahren wurden in einigen Fällen Reste von Steintreppen freigelegt (Keller Komplex 1, 14 und 17). Die bei dem vorliegenden Keller untersuchte Lehmtreppe wurde bislang in Freyenstein nur bei Holzkellern nachgewiesen. Diese in den anstehenden Lehm gestochenen Stufen dürften eine hölzernen Stiege, wie sie in Resten in Neu Langerwisch ausgegraben wurde, getragen haben. Die Überdeckung des Eingangs mit einem Tonnengewölbe wie auch ein so langer, am Ende abgewinkelter Zugangsbereich konnte in den 80er Jahren nicht festgestellt werden. Allerdings kann dies aus der schlechteren Erhaltung resultieren, aufgrund derer höher gelegene Bauteile, wie ein Gewölbe oder der am höchsten liegende Teil des Ausgangs, bereits abgetragen worden sind. Wenn man Parallelen zu dem hier vorgelegten Steinkeller im westdeutschen Herkunftsgebiet der während des hochmittelalterlichen Landesausbaus eingewanderten Siedler suchet, so fällt der Blick auf die Stadtwüstung Nienover im Solling. Hier stellt der Keller III ein in Größe und Grundrissschema vergleichbares Bauwerk dar. Sogar seine Lage an der Ost-West ausgerichteten Hauptverkehrsstraße der Stadt gleicht der des Kellers aus Freyenstein. Auch wenn daraus kein direkter Einwanderungsstrom aus dieser Region nach Freyenstein rekonstruiert werden kann, so müssen doch die Bautraditionen für die entsprechenden Gebäude in dieser Region zu suchen sein. Ein Hinweis zur Funktion dieser großen Steinkeller wird uns in der entsprechenden Publikation zu Nienover ebenfalls gegeben. Der Autor bringt sie mit der Herstellung und Lagerung von Bier in Verbindung, dem im Mittelalter eine wichtige Bedeutung aufgrund des latent verunreinigten Brunnenwassers zukam. Das Ende des Steinkellers stellt eine Brandkatastrophe dar, was bereits Plate für die in den 80er Jahren gegrabenen Steinkeller feststellen konnte. Eine der Zerstörungen im mecklenburgisch – brandenburgischen Grenzkonflikten könnte diesen Brand verursacht haben. Danach erfolgte kein Wiederaufbau, weder des Kellers noch der Stadt. Von besonderem Interesse ist, dass eines der Dendrodaten eines Holzes aus dem Brandschutt des Kellers aus dem Jahr 1276 stammt. In diesem Jahr urkundete der Markgraf erneut in Freyenstein, nachdem er kurz zuvor die Stadt zurückerobert hatte. Vermutlich diente diese Reparatur der Behebung von Schäden, die bei der militärischen Einnahme der Stadt entstanden sind. Am Ende der älteren Siedlungsphase bzw. zu Beginn der jüngeren, durch den Steinkeller repräsentierten Siedlungsphase wurde auf dem Grundstück ein kleiner Kalkbrennofen (Befund 9) errichtet, der zweimal erneuert werden musste. Er diente der Herstellung des Kalks für den Mörtel, der beim Bau des Tonnengewölbes über dem Kellerzugang benötigt wurde. Zwar sind auch in den 80er Jahren drei sich überschneidende Reste von Lehmkuppelöfen gefunden worden, doch handelt es sich dabei um mehrfach erneuerte Backöfen. Aus der jüngeren Phase lässt sich in Teilen die Parzellenstruktur erkennen. So wird eine Latrine (Befund 3) im hinteren Teil nahe des zu vermutenden hofseitigen Ausgangs aus dem zum Steinkeller gehörenden Gebäude erkennbar. Die deutliche Armut an Pfosten – es konnten nur drei derartige Befunde festgestellt werden – ist typisch für die städtische Bebauung des 13. Jh., in der fast ausnahmslos mit Schwellbalkenkonstruktionen gearbeitet wurde. Auch in Freyenstein bilden die Pfosten- oder Ständerspuren keine eigenständigen Gebäude. Pfosten 7 und 10 gehören vermutlich einem Zaun zur Grundstücksabgrenzung an und Pfosten 5 bildet einen einzelnen Ständer im Gebäude über dem Steinkeller. Was bereits die Lage im Stadtgrundriss vermuten ließ, wird durch die Grabungsergebnisse bestätigt. Es handelt sich um die Parzelle eines begüterten Stadtbürgers, was besonders durch den aufwendig gebauten Keller deutlich wird. Die sauber gefügten und in zeitgemäßer Technik aufgeführten Wände, die vorausschauend positionierten Lichtschächte und Wandnischen und nicht zuletzt das bislang beispiellose Tonnengewölbe über dem Kellerzugang lassen das Werk einer Bauhütte erkennen, deren spezialisierte Handwerker ein solches Bauwerk errichten konnten. Und eine solche qualitätvolle Arbeit hatte mit Sicherheit seinen Preis, was allein daran erkennbar wird, dass solche geräumigen und sauber aufgemauerten Keller nicht die Regel darstellen. Gerade im ländlichen Siedlungswesen sind wesentlich kleinere Steinkeller üblich, die oft eher mit Steinen ausgekleidete Wände aufweisen, als fest gefügtes Mauerwerk. Nicht das Vorhandensein eines Steinkellers an sich, sondern die Qualität der Bautechnik sowie die Größe des Kellers müssen als Mittel der sozialen Differenzierung betrachtet werden. Zudem zeigt der Reitersporn an, dass wir es sich bei dem Inhaber der Parzelle um einen berittenen Krieger handelte, der finanziell in der Lage sein musste, Pferd und Ausrüstung zu stellen.

 

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6.2 Funde

Die Nutzung des Stadtareals in vorgeschichtlichen Epochen wird durch einige wenige Lesefunde und Scherben aus der Verfüllung des Steinkellers belegt. Es handelt sich um Grobkeramik, die keine genauere Ansprache zulässt. Etwas genauer lässt sich eine mit Kammstrichwellen im Schulterbereich verzierte grob gemagerte Scherbe datieren. Sie gehört der mittelslawischen Periode an. Da aufgrund der Hangenergie Funde von weiter hangaufwärts in den Bereich der Grabungsfläche verlagert sein können, ist an Ort und Stelle nicht zwingend mit einem mittelslawischen Fundplatz zu rechnen, bezüglich der gesamten Fläche der Stadtwüstung aber mit Sicherheit.
Einen wichtigen Hinweis auf den Gründungszeitraum der Stadt gibt eine Randscherbe aus dem Verbraunungshorizont. Die schwarzgraue Scherbe mit weit ausladendem kastenförmigem Randprofil, leichter Innenkehle und einer scharfen Gurtung im Schulterbereich lässt sich dem späten 12. Jh. Zuordnen (Inv.-Nr. BLDAM 2007:567/1/3/1). Bei dieser Warenart kann nur schwer zwischen süddeutscher Standbodenware, spätslawischer Keramik oder Übergangsware entschieden werden. Sicher ist jedoch die Zuordnung der typisch profilierten Randform im Zusammenhang mit Material und scharfer Gurtung ins späte 12. Jh.
Scherben weicher Grauware, die ebenso um 1200 datieren, graubraun bis rötlichbraun gefärbt sind und weniger hart als die spätere Grauware gebrannt sind, fanden sich in sekundärer Lage in der Verfüllung des Steinkellers sowie in der Verfüllung von Befund 4. Da der überwiegende Teil der aufgefundenen harten Grauware frühestens in die erste Hälfte des 13. Jh. gehört, kann ein Entstehen der Stadt an der Wende vom 12. zum 13. Jh. angenommen werden. Ins frühe 13. Jh. können auch Standbodenfragmente harter Grauware mit Quellrand aus der obersten Verfüllung des Befundes 4 und des Steinkellers 2 datiert werden, da es sich dabei um ein Detail der Produktionstechnik mittels langsam drehender Blockscheibe handelt (Mechelk 1981, 47).
Rottonige, außenglasierte Ware fand sich in der Verfüllung der Latrine Stelle 3, in Befund 9, in den Verfüllungen im Keller 2 sowie auf dessen Fußboden. Diese zu Bechern oder Kannen gehörende Ware wird in Süd- und Mitteldeutschland allgemein in die 1. Hälfte des 13. Jh. datiert. In Nordbrandenburg und Mecklenburg, in dem für uns in Frage kommenden Gebiet, wird sie in die 2. Hälfte des 13. Jh. gestellt. Dies wird durch die stratigraphische Einordnung der hiesigen Fundkomplexe bestätigt, die ebenso in die jüngere Phase der Besiedlung Freyensteins gehören. Wie in anderen Städten des 13. Jh. gehörte dieses hochwertige Tischgeschirr auch in Freyenstein zur Standardausstattung eines städtischen Haushalts.
Zwei Scherben einer sehr hellen, cremefarbenen Irdenware mit feiner Magerung erinnern an Pingsdorfer Ware, wobei aufgrund der uncharakteristischen Wandscherben nicht feststellbar ist, ob es sich um echte Importstücke oder lokale Kopien handelt. Sie stammen aus der obersten Verfüllung des Steinkellers. Gleiches gilt für die wenigen Stücke Faststeinzeug des 13. Jh., deren Herkunft das Rheinland oder eine lokale Produktionsstätte sein kann (Kirsch 1994, 64-67). Aufgrund deren Auftreten in der Arbeitsgrube des Ofenkomplexes 9 und in den Verfüllschichten des Kellers 2 ist deren Verwendung in Freyenstein seit der Mitte des 13. Jh. gesichert.
Auffällig ist ein hoher Anteil rot gefärbter Keramik in den Verfüllschichten des Kellers. Dabei handelt es sich aber nicht um rottonige Irdenware, sondern um ehemals harte Grauware, die aufgrund der Hitzeeinwirkung beim Brand des Gebäudes die Farbe veränderte. Dies ist an der Formgebung der Fragmente zu erkennen, bei denen es sich um Kugeltopf- und Kannenränder handelt, die im Formenspektrum der rottonigen Ware zu keiner Zeit vorkamen.
Auffallend häufig traten Pokale aus harter Grauware auf. Sie kommen in den unteren und oberen Verfüllschichten des eingetieften Hauses 4, in den Verfüllschichten des Ofens 9 und in der obersten Verfüllung des Steinkellers vor. Da sie im Verhältnis zur Gesamtscherbenzahl besonders in Befund 4 und 9 hervortreten, könnten sie in ihrer Hauptverbreitungszeit der Mitte des 13. Jh. zugeordnet werden (Kirsch 1994, 49, datiert sie in die Zeit ab der Mitte des 13. Jh.). In der Arbeitsgrube des Ofenkomplexes fand sich auch ein für Freyenstein typisches Exemplar mit Kerbleiste. Das Abtrennen des Bodens der Pokale von der Töpferscheibe mittels einer Schlinge, wie es ausschließlich auf den Böden dieser Warenart feststellbar war, ordnet dieses technologische Merkmal gleichfalls diesem Zeitraum zu.
Kannen bzw. Krüge kommen in verschiedenen Varianten vor. Kugelbodige Exemplare konnten aufgrund der Fragmentierung der Gefäße nicht nachgewiesen werden, sind aber im Fundmaterial möglicherweise vorhanden. Bei den Krügen mit Standböden kommt ein Kniffelrandboden vor, die aufgrund der Lage in der untersten Brandschicht im Steinkeller bereits dem späten 13. Jh. zuzuordnen ist. Charakteristisch für alle Krüge und Kannen Freyensteins ist der breite Bandhenkel. Die Ränder variieren von leicht ausladenden, gegurteten Rändern bis zu stärker profilierten Formen mit Halsgurtung und frühen Dornrändern.
Becher treten in Freyenstein spätestens seit der Mitte des 13. Jh. auf, wie Fragmente einer Vierpassmündung in der oberen Verfüllschicht des eingetieften Gebäudes 4 zeigen. Sie traten auch mehrfach in der Verfüllung des Ofenkomplexes 9 auf und sind in der Verfüllung des Steinkellers 2 selten. Vermutlich gilt für sie die gleiche zeitliche Einordnung in die Mitte des 13. Jh., wie bei den Pokalen. Becher mit einfacher Randgestaltung sind im Ofenkomplex 9 und mehrfach aus den verschiedenen Verfüllschichten des Kellers 2 belegt.
Die erwartungsgemäß größte Gruppe unter den Gefäßen der harten Grauware stellen die Kugeltöpfe dar. Als Verzierungselement kommen ausschließlich plastische Spiralgurtungen vor, das typische Verzierungselement des 13. Jh. (Kirsch 1994, 35). Die für das 14. und 15. Jh. typischen plastischen Leisten fehlen völlig. Dabei weist das gegurtete Halsteil immer eine konische Form auf, von der der kugelige Bauch mit einem leichten Absatz getrennt ist. Lediglich ein Kugeltopffragment aus einer Brandschicht des Feldsteinkellers zeigt einen fließenden Bauch-Hals-Übergang, ein Hinweis auf die typologisch ans Ende des 13. Jh. gehörende Form. Dasselbe Gefäß zeigt auch eine stark ausgeprägte Randkehle, während die überwiegende Mehrzahl der Kugeltöpfe einfache Lippenränder mit schwacher Kehle aufweisen. Schmale Bandhenkel kommen schon seit der Mitte des 13. Jh. vor, wie ein gut erhaltener kleiner gehenkelter Kugeltopf aus der obersten Verfüllung des eingetieften Gebäudes 4 zeigt. Auch in der Verfüllung des Steinkellers aus der 2. Hälfte des 13. Jh. fehlen sie nicht.
Ein einzelnes kleines Fragment stark oxidierten Flachglases, welches aus dem unteren Bereich des Wandversturzes im Keller stammt, ist wahrscheinlich als Fensterglas oder Teil eines Einrichtungsgegenstandes anzusehen. Es muss aber nicht unbedingt aus dem zum Keller gehörenden Gebäude gehören, sondern kann im Zuge der Beräumungsarbeiten innerhalb der Stadt verlagert worden sein.
Generell wurden nur sehr wenige Dachziegelbruchstücke gefunden. Eines stammt aus der Verfüllung von Grube 12. Die Armut an Dachziegelbruch auf der gesamten Fläche der Stadtwüstung (nach Mitteilung von Th. Schenk) soll aber nicht zur Interpretation strohgedeckter Dächer führen. Vielmehr ist bei der Verlagerung der Stadt auch mit der Gewinnung und Wiederverwendung der noch intakten Dachziegel zu rechnen.
Die aufgefundenen Tierknochen weisen keinerlei Bearbeitungsspuren auf und können insgesamt als Speiseabfälle gewertet werden. Auffällig ist der hohe Anteil an verbrannten Knochen in der Verfüllung des Ofenkomplex 9. Vielleicht wurden bei diesen als Kalkbrennöfen interpretierten Anlagen Knochen zu Kalk gebrannt.
Ein Fußknochen eines Rindes aus der Kellerfüllung weist neben Abnutzungsspuren eine Längsdurchbohrung sowie einen darin befindlichen Eisennagel auf. Derartige Knochen dienten als Spielknochen und kommen in mittelalterlichen Fundzusammenhängen gelegentlich vor. Meist wurden sie zur Erhöhung des Gewichtes allerdings mit Blei und nicht wie bei dem vorliegenden Exemplar mit Eisen ausgefüllt. Nach zeitgenössischen Darstellungen handelte es sich bei dem Spiel um eine Art Kegelspiel, bei dem die aufgestellten Knochen mit einer Kugel oder einem Stein umgestoßen werden mussten.
In der stratigraphisch jüngsten Verfüllung des Kuppelofens 9 wurde ein eiserner Kugelstachelsporn mit Schlaufenende entdeckt. Da der Kugelstachel selbst kaum korrodiert ist, könnte es sich bei diesem Teil des Stückes um Buntmetall handeln. Der typologisch sicher im 13. Jh. fixierte Sporntyp wurde bereits mehrfach auf dem Gelände der Stadtwüstung aufgefunden (Plate 1989, 217). Sporen mit Kugelstachel können zwar auch älter sein, allerdings datiert in unserem Falle die schriftlich überlieferte zeitliche Existenz der Stadt das Stück ins 13. Jh. Die stratigraphische Zuordnung lässt sogar die Mitte des 13. Jh. gesichert erscheinen. Sporen sind ein fester Bestandteil der mittelalterlichen Reiterausrüstung. Geritten wurde fast ausschließlich zu militärischen Zwecken. Der Bewohner der untersuchten Parzelle dürfte deshalb seine militärische Gefolgschaft, zu der er verpflichtet war, beritten geleistet haben (Knappe, Reisiger etc.). Dass auch Städte im 13. Jh. zur Stellung berittener Verbände verpflichtet waren, ist nicht unüblich. Doch muss der Besitzer der Parzelle recht wohlhabend gewesen sein, da die kriegsmäßige Ausrüstung inklusive Pferd vom Träger selbst zu stellen war.
Ein in der Brandschuttschicht des Kellers gefundener eiserner Löffelbohrer von 0,8 cm Durchmesser könnte einen Hinweis auf die handwerkliche Tätigkeit des Bewohners geben, da solche spezialisierten Werkzeuge nicht zum üblichen Inventar eines Haushaltes gehören. Da der Bohrer für Zimmermannsarbeiten zu klein ist, kommen noch Stellmacher und Tischler in Frage, da sich der 8 mm starke Bohrer besonders für die kleinen Holznagellöcher in landwirtschaftlichen Geräten (Harken etc.) oder Hausinventar (Türen, Fensterläden etc.) eignet.
Die direkt auf dem Kellerboden entdeckte eiserne Sichel lässt sich dagegen mit dem in kleineren Städten üblichen gärtnerischen oder ackerbaulichen Nebenerwerb verbinden. Auch das Hufeisen, welches ebenso auf dem Kellerfußboden lag, gehört der wirtschaftlichen Ausstattung des Grundstückes an.
Übliche Bestandteile des Haushaltes sind auch Messer mit einfacher Griffangel, wie sie in zwei Fällen bei der Anlage des Planums auf der Grabungsfläche gefunden wurden. Ein flaches, 4 mm starkes und 2 cm breites bandartiges Eisenfragment aus der obersten Verfüllschicht des Steinkellers, welches auf einer Seite leicht gewölbt war, könnte den Rest einer Feile darstellen, was sich aufgrund der nicht erkennbaren Hiebe nicht verifizieren lässt. Auf dem Kellerboden fand sich ein noch in einem eisernen Beschlag steckender Nagel, was als Rest eines Beschlages für eine Truhe oder ähnliches zu interpretieren ist. Bei den ansonsten im Keller gefundenen Eisenfragmenten handelt es sich hauptsächlich um Nägel. Auch konnten einzelne Wandhaken o.ä., ein tordierter Stab und ein vierkantiger Stab mit Spitze identifiziert werden. Eine große Zahl an Eisengegenständen bleibt jedoch aufgrund ihres stark korrodierten Zustandes und des Verbackens im Brandlehm unbestimmt. Ein in einer Versturzschicht des Kellers entdecktes Bronzeblech ließ sich ebenso nicht näher bestimmen. Eine sehr gut erhaltene Bronzepinzette von 4 cm Länge aus der Brandschicht 2-10 könnte ein zur Körperpflege dienendes Accessoire dargestellt haben. Sie wurde aus einem flachen Bronzeband gebogen. In den gleichen Kontext könnte ein röhrenförmiges Stück Bronzeblech gehören, welches am flach ausgezogenen Ende eine 2 mm große Durchlochung zeigt. Aus der direkt auf dem Boden der Kellertreppe aufliegenden Schicht kommt der Rand eines Bronzegefäßes, dessen leichte Wölbung und Stärke von 3 mm die Interpretation als Fragment eines Gefäßes oder einer kleinen Glocke zulässt.
Wie in den Verfüllschichten des Kellers fand sich auch in der obersten Verfüllung des eingetieften Gebäudes 4 viele Eisenteile, ein sicherer Beleg für eine Brandkatastrophe. Außer den Nägeln konnte den weiteren Eisenteilen, einem Rundstab, einem Vierkantstab mit Spitze und einem flach ausgeschmiedeten Vierkant, keine Funktion zugewiesen werden. Das in der gleichen Schicht entdeckte runde, umgebogene Bronzeblech könnte einen Beschlag darstellen.
Das knapp über dem Boden von Grube 8 gefundenen Bronzeblech ließ sich ebenfalls keiner Funktion zuordnen.
In der obersten Verfüllung des Steinkellers mehrfach aufgetretene kalottenförmige Schmiedeschlacken können nur allgemein als Beleg für das Schmiedehandwerk in Freyenstein gewertet werden. Da die in der Schicht zusammengetragenen aus der Umgebung des Kellers stammen, können auch die enthaltenen Schlacken von anderen Grundstücken stammen.

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(Th. Hauptmann, J. Henker 2007)

PROJEKTBEZEICHNUNG:

Freilegung zu Präsentationszwecken Archäologischer Park 1. BA

 

AUTOREN: Th. Hauptmann, J. Henker
BAUHERR/AUFTRAGGEBER: Stadt Wittstock
UNTERSUCHUNGSZEITRAUM: 29.05.2007 - 06.07.2007
ARCHIVNR. DES BLDAM: PRH2007-077
INVENTARNR. DES BLDAM: 2007:567

© BAB Hauptmann + Bach GmbH 2011

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Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Plan 1: Aktuelle topographische Karte
Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Plan 2: Orthophoto


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Plan 5: Befundplan


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Stadtplan Freyensteins, Th. Schenk, darin markiert: Lage des 2007 ausgegrabenen Feldsteinkellers


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Schutzbau über dem Feldsteinkeller, Eröffnung 2007


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
freigelegter feldsteinkeller im Magnetogramm
Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
zeichnerische Darstellung des freigelegten Feldsteinkellers


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Freilegung des 1. Planums


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Der noch verfüllte Feldsteinkeller im 1. Planum


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Freilegung des 2. Planums


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Anlage des 2. Planums, während der laufenden Bauarbeiten


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
zeichnerische Dokumentation des 2. Planums


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Planum 2 des Feldsteinkellers


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
zeichnerische Dokumenation des Kellers


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Entfernung der Kellerfüllung


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Profil durch die Kellerfüllung


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Kellerfußboden


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Kellerzugang mit Resten eines Tonnengewölbes


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Kellerzugang


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Abdruck einer verbrannten Holztreppe


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Südostwand mit Wandnischen


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Südwestwand mit Fensterlichtschacht


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Nordwestwand mit drei Lichtschächten


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Lichtschacht


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Wandnische


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Planzeichnung des Kellers


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Grubenhaus Stelle 4


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Kalkbrennöfen Stelle 9


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Arbeiten an den Öfen


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Öfen im Profil


Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Armbrustbolzen
Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Bronzefragment
Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Eisenmesser
Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Pinzette
Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Sichel
Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Keramik (harte Grauware, Standbodengefäß
Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Keramik (harte Grauware, Kugeltopfgefäß)
Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Spielstein aus einem Schweineknochen
Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Reitersporn
Ausgrabung Freyenstein Stadtwüstung
Wetzstein

7 Literatur:

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