Groß Hasslow (OPR)


Groß Hasslow, Lkr. OPR, Grundstück während der Ausgrabungen





2 Allgemeines

Das vom Vorhaben betroffene Gelände befindet sich im Bereich des Bodendenkmals "mittelalterlicher⁄frühneuzeitlicher Dorfkern Groß Haßlow", im Bereich begründet zu vermutender, vormittelalterlicher Bodendenkmale. Der mittelalterliche und frühneuzeitliche Dorfkern von Groß Haßlow stellt ein Bodendenkmal gemäß BbgDSchG dar, das in der Denkmalliste des Landes Brandenburg erfasst und gesetzlich geschützt ist. Nach § 15 Abs. 3 BbgDSchG hat der Verursacher eine wissenschaftliche Dokumentation durchführen zu lassen. Über Bebauung und Struktur des Dorfes Groß Haßlow liegen kaum historische Überlieferungen und nur wenige archäologischen Quellen vor. Für das Grundstück im Dorfzentrum war eine historische Altbebauung zu erwarten. Durch das Bauvorhaben wurde durch die Herstellung des Gründungsplanums der Bodenplatte sowie der Medienanbindungen auf einer Fläche von ca. 640 m² in das Bodendenkmal eingegriffen.

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3 Kenntnisstand

Der Ort Groß Haßlow liegt 5 km nordöstlich von Wittstock. Es handelt sich um eine gestrecktes Runddorf mit einer Kirche auf dem Platz. Die Kirche, ein verputzter Rechteckbau mit Lisenengliederung, Stichbogenfenstern und seitlichen Mittelportalen stammt aus dem Jahre 1743. Sie besitzt einen quadratischen Westturm mit einem gestuften Pyramidendach. Die Ersterwähnung stammt aus dem Jahre 1274: inter novum Haslowe. 1320 wird der Ort Groten Hasselowe genannt (Enders 1980, HOL, Bd. I, Prignitz, 314). Im 13. Jh. und Anfang des 14. Jh. liegt Groß Haßlow im Grenzbereich zwischen den Territorien der Herren zu Werle und des Bischofs zu Havelberg. 1417-20 fiel der Ort Raubrittern zum Opfer, 1418 brannten 5 Höfe ab, 1420 der ganze Ort. 1434 ist das Dorf neuerlichen Überfällen ausgesetzt. 1547⁄50 werden 9 Hüfner mit 18 Hufen Land erwähnt. Nach dem 30-Jährigen Krieg 1652 sind es noch 4 Hüfner und 5 Personen. 1696 brennt das gesamte Dorf bis auf ein Haus ab. 150 Jahre später hat das Dorf 20 Wohnhäuser, bis 1900 sind es 28.

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4 Bodenbedingungen

Groß Haßlow befindet sich im Bereich einer eiszeitlich geprägten Endmoränenlandschaft des Nördlichen Landrückens am nördlichen Rand der Kyritz-Ruppiner Heide. Im Norden liegt die Mecklenburgische Seenplatte, im Süden die Ruppiner Platte. Westlich des Ortes liegt die Dosseniederung. Das von den Schmelzwassern abgelagerte Sediment besteht aus Geschiebemergel in allen Korngrößenklassen von Ton über Schluff, Sand, Kies und Steinen (Geschiebe) bis hin zu den Findlingen. Groß Haßlow liegt auf Sandboden.

 

Ausgrabung Groß Hasslow
Bodenaufbau im Profil
 

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5 Befundlage und Erhaltungsbedingungen, Stratigraphie

Das Baufeld war insgesamt 613 m² groß und befand sich zwischen zwei Hofanlagen. Schon auf dem geologischen Messtischblatt wird deutlich, dass es sich um eine unbebautes Grundstück handelt, durch das ein Weg nach Süden in Richtung Babitz verlief. Das Planum der 36 m x 21 m großen Fläche lag 50 cm unter der heutigen Geländeoberkante und fiel nach S hin leicht ab. Die Höhe betrug ca. 74,00 ü. DHHN im Nordteil und 73,85 m ü. DHHN im Südteil. Der anstehende helle Sand (1-1) wurde erreicht. Im mittleren und westlichen Baufeld befanden sich großflächige Eingrabungen des 20. Jh., die mit Müll und Tierkadavern verfüllt waren. Dabei handelt es sich nach Aussagen von Anwohnern um Relikte der sowjetischen Besatzungszeit im Sommer 1945. Damals sollen mehrere zehntausend Soldaten in dem vollständig geräumten Dorf einquartiert gewesen sein. Im Ostteil des Baufeldes wurde im Planum der Verbraunungshorizont (1-2) erfaßt, der starke Bioturbationszonen aufwies. Im Ostteil hatten sich mittelalterliche Befunde erhalten.

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6 Ergebnisse

6.1 Befunde

Bei den Befunden handelte es sich um ein Parzellengräbchen, einen Holzkastenbrunnen, einen Feldsteinbrunnen sowie einige Siedlungsgruben. Der mittlere Teil des Baufeldes wurde von Eingrabungen des 20. Jh. gestört, die mit Müll und Tierkadavern verfüllt waren. Der Westteil des Baufeldes war befundfrei. Im straßenseitigen Bereich zu erwartende mittelalterliche und neuzeitliche Baubefunde wurden nicht angetroffen. Der Großteil der Befunde wurde geschnitten und im Profil dokumentiert.

 

Das Parzellengräbchen

Das parallel zur heutigen Grundstücksgrenze verlaufende Parzellengräbchen wurde auf ca. 20 m Länge erfaßt, die Breite lag bei 40 cm. Der Befund war nur noch wenige cm tief erhalten und deshalb an einigen Stellen unterbrochen. In dem mit schwarzbraunem, humosem Sand verfülltem Graben fanden sich mittelalterliche Keramik und HK-Partikel. Der Befund wurde an drei Stellen geschnitten. Im Profil war er muldenförmig bis rundlich, 10 cm tief, oder nur noch als Spatenspur erkennbar.

 

Gruben

20 Befunde konnten als Gruben angesprochen werden. Dabei handelt es sich um die Befunde 3-6, 8, 9, 11, 13-22, 24, 25 und 27. Die Gruben hatten Durchmesser zwischen 0,6 – 3,6 m, im Durchschnitt um 1,5 m. Die Formen variierten zwischen rundlich bis länglich. Im Profil reichten die Gruben ca. 0,5 m tief. Darin fand sich in einigen Fällen Keramik des Mittelalters. Abb. 16: Grube Stelle 14 im Profil Die Funktion der Gruben läßt sich allgemein mit Abfallgrube umschreiben. Die dunkelbraune humose Verfüllung deutet auf organische Substanzen hin.

 

Holzkastenbrunnen

Im südöstlichen Baufeld wurde ein Holzkastenbrunnen erfaßt. Im 1. Planum war der Befund als rundliche dunkelgraubraune Verfärbung mit flauen Grenzen erkennbar mit einem Durchmesser von ca. 2,4 m. Sie war verfüllt mit sandigem Material, darin fanden sich HK-Partikel und sehr viel mittelalterliche Keramik. Erst beim Schneiden wurde deutlich, daß es sich um einen Holzkastenbrunnen handelt. Im 2. Planum, (Höhe: 73,25 m) war deutlich der Kasten des Brunnens erkennbar. Die vergangenen Holzreste (2-6) umschlossen einen Kasten von ca. 90 x 70 cm und waren teilweise als zweilagige Bretter/Bohlen erkennbar. Der Kasten reichte 1,4 m unter das 1. Planum (mit Bohrstocksondagen erfaßt). Der Kasten lag in der Brunnenbaugrube 2-1, die auch im 1. Planum zu sehen war und war mit sandigem Material (2-3) verfüllt, das unterhalb des 2. Planums schwarzgrau wurde und einige Steine enthielt. Die Brunnenbaugrube bestand aus durchmischtem grauem, gelblichem und hellgrauem Sand. Sie hatte im 2. Planum einen Durchmesser von 1,4 bis 1,6 m und reichte 1,4 m unter das 1. Planum (mit Bohrstocksondagen dokumentiert). Ca. 60 cm unter dem 1. Planum waren keine Reste des Kastens mehr erkennbar, der Brunnenschacht wurde hier mit muldenförmigen Einfüllungen aus grauem Sand (2-4) und dunkelgrauem, stark mit organischen Teilen angereichertem Sand und zerbrochener Keramik verfüllt (2-5). Diese Schicht war ebenfalls im 1. Planum zu sehen. Stelle 2 wurde von Grube 27 geschnitten.

 

Feldsteinbrunnen

Westlich davon befand sich ein Feldsteinbrunnen mit rundlicher Brunnenbaugrube (10-1) von 4 x 3,7 m Größe. Die Baugrube zeigte scharfe Grenzen zum umgebenden Sand und war verfüllt mit mittelbraunem, leicht fleckigem, durchmischtem Sand. Mittig lag die ovale Steinsetzung mit Ausmaßen von ca. 2 x 2,4 m außen. Der innere Bereich war länglich, 0,8 x 1,4 m groß, eventuell liegt darunter ein rechteckiger Kasten. Die Feldsteine des Steinkranzes hatten eine Größe von ca. 10-35 cm. Innerhalb des Brunnens befand sich mittelbrauner Sand 10-2 mit HK-Partikeln und Brandlehmstücken. Im 2. Planum der Südhälfte verdeutlichte sich die innen rechteckige Form, ein Holzkasten wurde nicht erreicht. Das 2. Planum befand sich ca. 40 cm unter Planum 1 bei 73,50 m. Das Profil wurde mit Bohrstocksondagen interpoliert (Abstand 10 cm): innerhalb des 80 cm breiten Brunnenkastens, der vollständig aus Feldsteinen zu bestehen schien, befand sich 35 cm unter Planum 2 eine Feldsteinpackung, die nur an einer Stelle durchbohrt werden konnte (Höhe der Feldsteinpackung: 73,15 m ü. DHHN). Darüber befand sich eine graue Sandschicht 10-4 mit HK- und Brandlehm-Partikeln, die ca. 15 cm dick war, darüber lag die schon im 1. Und 2. Planum dokumentierte Sandschicht 10-2. Im unteren Bereich der Brunnenbaugrube befand sich heller und mittelbrauner, durchmischter Sand mit EO-Ausfällungen, HK- und Blick-Partikeln (10-3).

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6.2 Funde

 

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterliche Scherben, Kugeltöpfe aus dem Holzkastenbrunnen

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterliche Scherben aus dem Holzkastenbrunnen

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterliche Keramik, Standbodenware

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterliche Keramik aus dem Parzellengräbchen

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterliches Messer aus dem Holzkastenbrunnen

Ausgrabung Groß Hasslow
Eisenschnalle, Messerzwinge, Messer (mittelalterlich)

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterlicher Armbrustbolzen aus dem Feldsteinbrunnen

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7 Literatur:
HOL Barnim: L. Enders; Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I Prignitz (1980).

 

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PROJEKTBEZEICHNUNG: Baubgegleitende Dokumentation Neubau eines Einfamilienhauses im mittelalterlichen Ortskern

 

AUTOREN: Ph. Bach, Th. Hauptmann
BAUHERR/AUFTRAGGEBER: privat
UNTERSUCHUNGSZEITRAUM: 17.10.2011 - 25.10.2011
ARCHIVNR. DES BLDAM: PRH2011-113
INVENTARNR. DES BLDAM: 2011:031

© BAB Hauptmann + Bach GmbH 2011

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Ausgrabung Groß Hasslow
Aktuelle topographische Karte

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Geologisches Messtischblatt

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Technischer Übersichtsplan

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Befundplan

Ausgrabung Groß Hasslow
Oberbodenabtrag im Baufeld

Ausgrabung Groß Hasslow
Putzen des Planums

Ausgrabung Groß Hasslow
Zeichnerische Dokumentation des 1. Planums und Schneiden der Befunde

Ausgrabung Groß Hasslow
Baufeld mit freigelegten Befunden

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterlicher Brunnen im Planum

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterlicher Holzkastenbunnen im Profil

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterlicher Holzkastenbrunnen im 2. Planum

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterliches Parzellengräbchen im Planum

Ausgrabung Groß Hasslow
Parzellengräbchen geschnitten

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterlicher Feldsteinbrunnen im 1. Planum

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterlicher Feldsteinbrunnen im 2. Planum

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterlicher Feldsteinbrunnen im 2. Planum

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterliche Grube im Planum

Ausgrabung Groß Hasslow
mittelalterliche Grube im Profil