Eine verwüstete Hofstelle: Gründungszeitliches aus dem Dorfkern von Zepernick, Lkr. Barnim

Das 1289 erstmalig erwähnte Zepernick wurde wie die meisten Dörfer des südlichen Barnim in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von deutschen Siedlern, vermutlich aus dem westelbischen Gebiet, errichtet. Es entstand an beiden Ufern des Dransebaches mit einem rechtwinklig abgeknickten Anger als so genanntes Winkelangerdorf. Wahrscheinlich in der Mitte des 13. Jahrhunderts bauten die Siedler am Nordrand des Dorfes eine kleine Feldsteinkirche mit Querturm. Der sorgfältig gequaderte Bau hat im Turm mehrere Schießscharten, er besaß zu seiner Entstehungszeit zugleich Verteidigungscharakter („Wehrkirche“).

Abb. 1: Ausschnitt aus dem Urmesstischblatt Nr. 1766 aus dem Jahre 1839. Rot: Lage des Baufeldes

Der Kirche gegenüber zeigt das historische Kartenbild (Abb. 1) eine Hofanlage aus zwei giebelständigen Gebäuden und einem rückwärtigen, rechtwinklig dazu angeordneten Bau. Die Hofstelle bildet den nördlichen Abschluss der östlichen Zeile der historischen Dorflage an der nach Osten
abzweigenden Wegführung in die Feldmark (heutige Zelterstraße). In diesem zwei Flurstücke umfassenden Gelände wurde 2013 eine Wohnanlage neu errichtet.

Auf einer nur 150 m großen Teilfläche hatten sich mittelalterliche Befunde erhalten, die wertvolle Rückschlüsse auf die Erstbebauung der Dorflage zulassen. Die Ergebnisse zeigen exemplarisch, wie die archäologische Untersuchung auch kleinerer, innerörtlicher Bauvorhaben wichtige Quellen der Orts- und Landesgeschichte erschließt und sichert. Nahezu identisch mit der heutigen Flurgrenze erwies sich ein dorfgründungszeitlicher Parzellengraben (Grenzmarkierung), der die Kontinuität der Flurstücke seit dem Jahrhundert belegt (Abb. 2).

Abb. 2: Feldsteinkeller und Parzellengräbchen im Planum der Fläche

Derartige Befunde sind aus anderen Orten zwar bekannt, aber außerordentlich selten. In Zepernick kann mit diesem Befund zudem die Ecke der Parzelle zum angrenzenden Dorfanger lokalisiert werden. Außer auf die eindeutig mittelalterliche Entstehungszeit verweist der Befund auch auf die Tatsache, dass die Parzellengrenze nur zu Beginn der Nutzungszeit als Graben sichtbar war und im Verlaufe des Mittelalters zusedimentierte oder verfüllt wurde.

An dieser rekonstruierbaren Parzellenecke orientierte sich ein quadratischer, kleiner Feldsteinkeller von ca. 2,5 m Innenmaß, der noch in einer Höhe von ca. 0,5 m erhalten war (Abb. 2). Das Mauerwerk bestand aus unbearbeiteten, in Lehm gesetzten Feldsteinen. Die Sohle war unbefestigt und wies bemerkenswerterweise keine ausgeprägte Nutzungsschicht auf. Dies deutet auf eine kurze Nutzungsdauer hin. Die geringe erhaltene Tiefe des Kellers lässt auf einen deutlichen Geländeabtrag des Areales in nachmittelalterlicher Zeit schließen. Der schräg hofseitig in den Keller führende Zugang hatte teilweise überdauert und wies auf der Sohle Reste von Holzkohle auf, die von einer hölzernenZugangstreppe herrühren dürften. Die Verfüllung von Keller und Zugang zeigte deutliche Brandspuren und bestand vorwiegend aus Wandlehm und Feldsteinen der aufgehenden Kellerwände. Sie deutet auf eine Brandzerstörung des Hauses und eine nachfolgende allmähliche Verfüllung der dann offenen Kellergrube. Der Befund kann als Halbkeller eines ebenerdigen, vermutlich traufständigen Fachwerkgebäudes angesprochen werden, das an den Anger und die seitliche Grundstücksgrenze anschloss. Nach Ausweis der Funde erfolgte die Errichtung des Gebäudes und des Parzellengräbchens zeitnah im 13. Jahrhundert, also zum Zeitpunkt der Dorfgründung. Auch der Zerstörungshorizont des Hauses enthielt ausschließlich Material des 13.und 14. Jahrhunderts, sodass nur eine relativ kurze Nutzungsdauer konstatiert werden kann.

In der Kellerverfüllung fand sich das Fragment eines gotischen Formziegels, dessen Herkunft in Zepernick vollkommen rätselhaft ist. Die nahe gelegene Feldsteinkirche des 13. Jahrhunderts scheidet als Quelle aus, da sie keine derartigen Ziegel aufweist. Infrage kommt nur ein repräsentativer Sakral- oder Profanbau in der näheren Umgebung. Ziegelfragment und Gefäßkeramik aus der Kellerverfüllung grenzen den Zerstörungszeitpunkt des Hauses spätestens in das 14. Jahrhundert ein.

Abb. 3: gotischer Formziegel

Für ein verkohltes Bauholz liegt eine dendrochronologische Datierung vor, nach der man die verwendete Esche im Winter 1186/87 fällte. Es muss ein im Haus verbautes oder vorhandenes Altholz gewesen sein, da eine deutsche Ansiedlung in Zepernick wesentlich vor 1230 nach dem derzeitigen Forschungsstand eher unwahrscheinlich ist.

Herausragende Funde aus der Kellerverfüllung sind neben eisernem Hausrat wie Messerklingen und einem Hufeisenfragment ein bronzener Zierbeschlag (vermutlich eine Riemenzunge) und eine eiserne, zweiflügelige Tüllenpfeilspitze (Abb. 3). Letztere ist, wie der Formziegel im bäuerlichen Kontext sehr ungewöhnlich und könnte eine kriegerische Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der Zerstörung des Hauses andeuten.